Zusammenführen!

Nahezu zwei Jahre diskutierten Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel in der Initiative Tierwohl über verbindliche Kriterien im Tierschutz. Mit jeder Verhandlungsrunde schmolzen die vom Handel für mehr Tierschutz zur Verfügung gestellten Millionen dahin. Jetzt endlich sind die Vereinbarungen von allen Seiten unterzeichnet. Das letzte Wort vor dem Beginn der praktischen Umsetzung hat nun das Kartellamt.

Neben der aktiven Beteiligung von Vion an der Initiative Tierwohl hat das Unternehmen das Label „Für mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbundes in einem Pilotprojekt mit wissenschaftlicher Begleitung und Förderung des Bundes (BLE) erprobt. Konventionelle Schweinemäster sind überzeugt von dem Projekt als richtigem Schritt in die Zukunft und haben ihre Ställe umgebaut: Die strukturierten Buchten bieten jetzt mehr Platz, dem Erkundungsverhalten der Schweine wird mit mehr Beschäftigungsmaterial entsprochen. Auch die Ebermast läuft erfolgreich. Nur auf das Kupieren der Ringelschwänze kann noch nicht verzichtet werden, weil insbesondere in der Ferkelaufzucht noch viele Fragen unbeantwortet sind. Gerade hier ist die Fortsetzung der Forschung unerlässlich.

Öffentlichkeit und vor allem die Verbraucher können zwei parallele Projekte für Tierschutz nicht verstehen. Es ist gut, dass es sich hierbei auch nicht um Konkurrenzveranstaltungen, sondern um Ergänzungen handelt. Schon allein deshalb ist es zu wünschen, dass die Verantwortlichen die Initiative und das Label zu einem Konzept zusammenführen. Fachleute, die mit dem Thema befasst sind, raten unbedingt zu einer Einbindung des Deutschen Tierschutzbundes, um damit auch die absolut notwendige Akzeptanz beim Verbraucher zu schaffen.

Der Blick nach Holland zeigt, wie der Handel mit einer Offensivstrategie sein unter dem Tierschutzsiegel Beter Leven produziertes Fleisch platziert. Der Markt wächst und wächst. Die Konsequenz aus der überragenden Akzeptanz des Verbrauchers zog nun LEH-Marktführer Albert Heijn: Diese Supermärkte führen nur noch Ware aus dem Tierschutzprogramm.