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„Zufriedenere und gesündere Tiere“

Landwirte, die sich am Tierschutzprogramm beteiligen, sehen schon nach wenigen Wochen positive Veränderungen bei ihren Tieren. Sie sind zufriedener, haben mehr Bewegung und das verbessert schließlich die Fleischqualität. Das Vion Projekt „Für mehr Tierschutz“ funktioniert also nachweislich entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die regelmäßigen Kontrollen empfinden die Landwirte nicht als lästige Pflicht – sie sehen diese als Bestätigung ihrer Arbeit. So auch Gesine Harleß oder Christoph Becker: sie nehmen an dem Tierschutzprogramm teil und berichten von zufriedeneren und gesünderen Schweinen.

Zufriedenere und gesündere Tiere

Zunächst schnuppert das Frontschwein noch ein wenig skeptisch, legt den Kopf in den Nacken und zieht die Luft durch den Rüssel ein. Ein Eindringling im Stall – der Bauer. Doch als Christoph Becker den Kopf mit der Hand tätschelt, kommt es auf ihn zu – und die Artgenossen in der geräumigen Stallbox tun es ebenso. „Die Tiere sind aktiv, neugierig und überhaupt nicht scheu“, erzählt der Schweinemäster, während er seinen Rundgang durch den Stall macht. Der Landwirt aus der Lüneburger Heide spürt, dass es seinen Schweinen nach der Umstellung auf das Tierschutzprogramm wesentlich besser geht. „Sie haben mehr Platz und Beschäftigungsmöglichkeiten – und die nehmen sie auch gerne an.“

Christoph Becker hat sich bewusst entschieden, seine Schweine nach den Tierschutzkriterien aufzuziehen. „Es war schon immer unsere Philosophie auf dem Hof, für ein möglichst großes Wohlbefinden der Tiere zu sorgen.“ Allerdings müsse es sich auch finanziell lohnen. „Da ist das Tierschutzprojekt einfach ein tolles Programm. Das Tierwohl ist gewährleistet und unsere Einnahmen sind sicher.“

Auch Gesine Harleß macht mit beim Vion Projekt „Für Mehr Tierschutz“. Die Landwirtin aus der Lüneburger Heide zieht auf ihrem Hof rund 900 Schweine nach den Kriterien des Deutschen Tierschutzbundes auf. „Wir waren offen für das Projekt, da wir noch nicht so lange Schweine mästen“, erzählt sie. „Deshalb ist uns die Umstellung nicht schwergefallen.“ Harleß möchte mithilfe des Programms herausfinden, was für die Tiere am besten ist. „Ich bin mir sicher, die Qualität des Fleisches ist verbessert, wenn es dem Tier besser geht.“

Gesine Harleß und ihr Mann Karl haben Ende 2011 den Betrieb auf das Tierschutzprogramm umgestellt. Zuvor lebten die Tiere in rechteckigen Buchten und hatten dabei keine Möglichkeit, den Raum selbst zu strukturieren. „Das ist heute anders“, sagt die Bäuerin. Aus zwei Einzelbuchten habe man eine Doppelbucht gebaut. Neben einem Ruhe-, einem Fress- und einem Mistbereich befinden sich nun ein Strohautomat und Beschäftigungsmaterial im Stall – zum Beispiel Bälle und Ketten, an denen die Schweine knabbern können. „Durch das höhere Platzangebot haben die Tiere mehr Möglichkeiten, sich zu bewegen, ohne gleich wieder durch ein anderes Tier ausgebremst zu werden“, hat sie beobachtet.

„Die Tiere haben jetzt mehr Beschäftigungsmöglichkeiten“

In der traditionellen Schweinemast knabbern sich Schweine oft aus Langeweile an den Schwänzen. Der Grund können Stress und der Mangel an anderen Beschäftigungsmöglichkeiten sein. „Bei uns tritt das Problem jetzt nicht mehr so häufig auf“, betont Karl Harleß. „Das liegt ganz sicher an den Beschäftigungsmöglichkeiten, aber vor allem auch am höheren Platzangebot.“ Die Tiere hätten schlichtweg die Möglichkeit, sich gegenseitig auszuweichen – falls doch mal ein Schwein auf die Idee käme, einem anderen am Schwanz zu knabbern, bestätigt Gesine Harleß seine Beobachtungen.

Mehr Werbung für Akzeptanz

Doch was muss man tun, damit auch der Kunde an der Ladentheke den Tierschutzgedanken akzeptiert und umsetzt? „Wir müssen für Akzeptanz werben“, sagt Christoph Becker. Die meisten Verbraucher wüssten gar nicht, wie es in einem Schweinestall aussieht. „Sie müssen verstehen, warum sie mehr für das Fleisch bezahlen: weil es den Tieren besser geht.“

„Der Verbraucher spielt meiner Meinung nach eine viel größere Rolle und sollte seine Verantwortung an der Ladentheke nutzen“, sagt Gesine Harleß. „Wenn der Verbraucher Fleisch aus Tierschutzprogrammen kauft und uns das Signal gibt, dass dieses gewünscht ist, dann reagiert auch die Landwirtschaft.“ Die grüne Seite sei sehr anpassungsfähig, weil sie sich ohnehin den gegebenen Strukturen anpassen müsse.