„Wir wollen ein Signal setzen“

Die Vion Food Group startet im Januar 2013 mit der Vermarktung von Fleisch aus ihrem eigenen Programm „Aktiver Tierschutz“. Dr. Heinz Schweer, Direktor Landwirtschaft des führenden deutschen Fleischunternehmens, hat seit zwei Jahren zusammen mit seinen Mitarbeitern das neue Programm aufgebaut. Die Wünsche der Verbraucher nach mehr Qualität und Tierschutz in der Fleischerzeugung waren der Ursprung der Umorientierung. 

Herr Dr. Schweer, der Fleischkonzern Vion und aktiver Tierschutz – passt das überhaupt zusammen?

Ja, warum denn nicht? Wo, wenn nicht in der Fleischindustrie, soll denn ein Umdenkungsprozess stattfinden? Wir sind gefordert, auch weil unsere Marktforschung uns den Auftrag der Verbraucher gezeigt hat, mehr Energie in die Veränderung der Tierhaltung zu investieren. Die Kundenwünsche und das Einkaufsverhalten der Menschen zeigen eine viel kritischere und bewusstere Mentalität vor der Fleischtheke. Es wird nicht mehr nach dem Motto „immer mehr und immer billiger“ eingekauft, sondern nach Qualität, Regionalität und Nachhaltigkeit ausgewählt. Beim Fleischeinkauf spielt der Tierschutzgedanke eine immer wichtigere Rolle.

Sind Kundenwünsche die einzige Motivation zu Veränderungen im Schweinestall?

Nein. Wir bei Vion sind Motor dieser neuen Entwicklung in Deutschland. Vor zwei Jahren haben wir zusammen mit Wissenschaftlern der Universität Göttingen und dem Deutschen Tierschutzbund Kriterien entwickelt, nach denen mehr Tierwohl in die Ställe einzieht. Die Bundesregierung unterstützt unser Bestreben nach mehr Tierschutz in der Nutztierhaltung durch die Finanzierung der begleitenden Forschung. Wir selbst als Vion investieren eine hohe sechsstellige Summe in den Aufbau des Programms.

Warum hat es denn eigentlich zwei Jahre gedauert, bis das Tierschutzprogramm nun sichtbar wird?

Das hört sich alles viel einfacher an, als es ist. Diese neue Stufe in der Aufzucht muss ausgesprochen gewissenhaft vorbereitet sein. Wir haben zunächst sehr sorgfältig unsere Landwirte ausgewählt, mit denen wir schon in der Vergangenheit erfolgreich zusammengearbeitet haben. Vion hat sie darin – auch finanziell – unterstützt,  die Ställe nach den Kriterien des Deutschen Tierschutzbundes umzubauen. Bis dann die ersten Ferkel eingestallt wurden, unterteilt nach Eber- und Sauenzucht, dauerte es etwa ein Jahr. Erst in den vergangenen Monaten sind dann die Landwirte und ihre Anlagen von einer unabhängigen Kommission des Deutschen Tierschutzbundes zertifiziert worden. Parallel dazu wurden Gespräche mit Handelspartnern geführt, die wiederum mit dem Deutschen Tierschutzbund an einen Tisch gebracht wurden. Das ist alles zeitaufwendig gewesen, bis wir nun starten können.

Gab es auch Widerstände und Rückschläge in der Aufbauphase?

Es gab Verzögerungen, die wir so nicht einkalkuliert hatten. Wir als Vion wären gern eher mit dem Tierschutzprogramm gestartet. Wir wollten ein Signal setzen im Markt, bei den Erzeugern, beim Handel und bei den Verbrauchern. Wenn wir als einer der größten Schweinefleischproduzenten in Deutschland mit einem Schweinefleischprogramm in einem Testmarkt starten, dann schaut die gesamte Branche genau zu, ob das auch ein wirtschaftlicher Erfolg wird.

Und wird es erfolgreich sein?

Ich bin davon überzeugt. Mit der Zertifizierung und dem Tierschutzlabel der Einstiegsstufe des Deutschen Tierschutzbundes haben wir im Moment als Fleischproduzent eine Alleinstellung. Letztendlich entscheidet der Handel, ob der Einstieg in den Tierschutz bei der Schweinehaltung zu einem flächendeckenden Programm wird. Ich sehe die große Chance, dass schon in wenigen Jahren 20 bis 25 Prozent des Schweinefleisches nach den Tierschutzkriterien produziert werden.

Wodurch unterscheidet sich der Tierschutzstall vom konventionellen Stall?

Alle Tiere haben in den Ställen 50 Prozent mehr Platz. Sie teilen sich die Ställe selbst in Liegeflächen, Fresszone und Kotecke ein. Die Tiere erhalten Beschäftigungsmaterial wie Strohpellets, die körperlichen Eingriffe bei den Ferkeln werden absolut zurückgefahren. Die Schweine wachsen stressfreier auf und werden auch beim Transport und in unseren Betriebsstätten besonders schonend behandelt. Das sind insgesamt sehr gewichtige Veränderungen und gravierende Fortschritte in der Tierhaltung.

Das hört sich doch so an, als würden bald viele andere Unternehmen Vion auf seinem Weg in den Tierschutz folgen.

Die Tierschutzdiskussion wird derzeit in der Landwirtschaft, im Handel und bei den Fleischunternehmen sehr intensiv geführt. Es gibt verschiedene Modelle, die verfolgt werden. Aber kein anderes Programm ist bisher aus der theoretischen Phase herausgekommen. Vion ist beim Tierschutz weit voraus. Das zeigt auch das an uns verliehene Label der Einstiegsstufe des Deutschen Tierschutzbundes sowie die Zertifizierung unseres Schlachtbetriebs in Zeven und unserer Landwirte.

Wird Vion sein Engagement in Sachen Tierschutz nutzen und verstärken?

Ja. Vion wird unter dem Namen „Aktiver Tierschutz“ im Internet sowie bei Kunden, Erzeugern und Verbrauchern für mehr Tierschutz in der Tierhaltung werben. Wir informieren über unsere Aktivitäten und wollen auch Transparenz zeigen. Wir gewähren Einblicke in die Ställe der Bauern und beantworten auch gern Verbraucherfragen. Wir wollen eine lebhafte und belebende Diskussion und eine breite Entwicklung des Tierschutzgedankens in Deutschland.