Vion mit foodwatch an einem Tisch.

Transparenz bedeutet für Vion Offenheit und Dialog. Mit foodwatch, einer Nichtregierungsorganisation (NGO), die sich für Verbraucherschutz in der Lebensmittelproduktion und dem Handel einsetzt, hat es in den vergangenen Wochen gleich zwei Begegnungen gegeben: Zunächst luden die Vion-Direktoren Dr. Heinz Schweer und Dr. Gereon Schulze Althoff (Foto rechts) den foodwatch-Vize und Tierarzt Matthias Wolfschmidt (Foto links) zum Blick in die Produktion des größten deutschen Vion-Schweineschlachtbetriebs nach Emstek in Niedersachsen ein. Wenige Wochen später führten Schulze Althoff und Wolfschmidt in Hannover ein Gespräch über die risikoorientierte Fleischuntersuchung und die Transparenz in Lebensmittelunternehmen. Erstaunlich: Was zunächst als Streitgespräch konzipiert war, entwickelte sich zu einem kreativen, inhaltsreichen Dialog.

Vion mit foodwatch an einem Tisch

Schulze Althoff: Herr Wolfschmidt, Sie haben kürzlich in einem Fernsehbeitrag die Fleischunternehmen kritisch aufs Korn genommen, weil es einen Wechsel in der Methodik der Fleischuntersuchung am Schlachtband gibt. Sie wissen doch auch nach Ihrem Besuch in Emstek, dass es gerade bei Vion nicht zuerst darum geht, Arbeitsplätze einzusparen, sondern die Sicherheit des Fleisches zu verbessern.

Wolfschmidt: Sie agieren in einem Umfeld, in dem es darum geht, wer am billigsten schlachtet und zerlegt. Und da zahlt es sich aus, wenn ein Unternehmen wie Vion weniger Fleischkontrolleure bezahlen muss. Wir stören uns an der neuen EU-Verordnung, die nichts für die Verbesserung des Verbraucherschutzes tut.

Schulze Althoff: Bei Vion selbst gehen wir ja weit über die EU-Verordnung hinaus. Mit unserem Verfahren unterstützen wir die amtliche Fleischuntersuchung mit Informationen, um so ein möglichst hohes Maß an Lebensmittelsicherheit für den Verbraucher zu garantieren. Unsere risikoorientierte Fleischuntersuchung ist weit umfassender, als es die EU-Verordnung vorgibt.

Wolfschmidt: Was machen Sie denn anders als vorgeschrieben?

Schulze Althoff: Wir erfassen den Infektionsstatus von Betrieben. Dies gelingt durch die Untersuchung von Schlachttierblut je Partie. Auffällige Lieferanten werden informiert und beraten. Meist kann durch unsere Analyse eine Verbesserung der landwirtschaftlichen Betriebshygiene erzielt werden. Mit der Auswertung der Schlachtbefunde und dem Aufzeigen der Betriebe mit auffallend vielen Tieren mit Atemwegserkrankungen (Lunge, Brustfell, Herzbeutel) und äußeren Schäden an Gelenken, Ohren, Schwanz und Haut kann die Landwirtschaft viel besser an der Tiergesundheit arbeiten. So werden diese Daten auch für eine risikoorientierte Untersuchung auf Antibiotika-Rückstände herangezogen.

Wolfschmidt: Das klingt sinnvoll und doch bleibt die Frage, warum Vion mehr tut, als der Gesetzgeber verlangt.

Schulze Althoff: Geld verdient Vion mit der Umstellung auf die risikoorientierte Untersuchung auch nicht. Das ist ein 0:0-Spiel. Das Schlachtband läuft nicht schneller, nur weil jetzt einzelne Routine-Arbeiten im Bereich der Fleischuntersuchung weggefallen sind. Dafür sind unsere Aufwendungen nun höher. Es geht hier nicht darum, zum günstigsten Preis zu liefern, es geht um das Gesamtpaket. Und da bieten wir unseren Kunden größtmögliche Sicherheit und volle Transparenz hinsichtlich des gelieferte Fleisches. Das ist ein großer Vorteil, der von immer mehr Kunden geschätzt wird.

Wolfschmidt: Aber wohl kaum vom Endverbraucher. Denn im Supermarkt gilt: Fleisch ist Fleisch ist Fleisch. Sie brauchen eine Marke und klare Kriterien. Wenn man weiß, dass Vion die Lebensmittelsicherheit, Tierhaltung und Tiergesundheit verbessert, dann haben Sie einen Vorteil. So aber liefern Sie ein anonymes Produkt wie alle anderen auch. Wir brauchen größtmögliche Transparenz.

Schulze Althoff: Die Strategie der Sicherheit beim Fleisch ist bei Vion in den zurückliegenden Jahren nie in Frage gestellt worden.

Wolfschmidt: Trotzdem: Ihr Problem ist das anonyme Produkt. Wo, bitte schön, gibt es Fleisch aus tiergerechter Haltung von gesunden Tieren zu kaufen? Nirgends. Auch bei Bio nicht, selbst wenn die Leute darauf vertrauen. Uneingelöste Markenversprechen fliegen irgendwann auf. Also machen Sie es bei Vion bitte richtig. Das System der Nutztierhaltung muss sich ändern. Der Handel gibt im Jahr 1,1 Milliarden Euro für Werbung aus, aber nur 85 Millionen Euro für die Initiative Tierwohl, inszeniert sich aber als Teil der Lösung. Das ist frech. Die Menschen können zwar so viel Fleisch essen, wie sie wollen, aber sie haben kein Recht, dies zu Preisen zu tun, die auf mangelndem Tierschutz basieren. Optimale Tierhaltung und -betreuung, schonende Betäubung und Tötung bedeuten Mehraufwand, der vom Handel und vom Verbraucher bezahlt werden muss. Wir leben ja nicht im Märchenwald.

Schulze Althoff: Da sind wir gar nicht so weit auseinander. Tierschutz kostet Geld und das will laut unserer regelmäßigen Marktbefragungen der Verbraucher auch bezahlen.
Wir wissen, dass wir als Unternehmen in diese Richtung noch stärker dialogfähig sein müssen. Im Zusammenspiel von Transparenz und Tierschutz können wir um mehr Vertrauen in das Produkt werben. Wir bei Vion stellen uns jedenfalls.

Wolfschmidt: Das können Sie aber nicht dem Wettbewerb überlassen. Tiere – und viele Landwirte – sind die Opfer eines kolossal versagenden Marktes. Wir brauchen die lückenlose vorsorgende Kontrolle und dringend Unternehmen, die öffentlich für bessere Regeln eintreten.

Das Gespräch moderierten
Dr. Heinz Schweer und Karl-Heinz Steinkühler

30.000 Beitragszahler unterstützen die Arbeit von foodwatch, einer Nichtregierungsorganisation (NGO), die in Deutschland und dem angrenzenden europäischen Ausland im selbst gestellten Auftrag für den Verbraucherschutz die Lebensmittelproduktion und den Handel ins Visier genommen hat. Gründer Thilo Bode hat aus seiner Zeit als Europachef von Greenpeace die Kampagnenfähigkeit in sein nicht einmal 20 Mitarbeiter zählendes Kernteam in Berlin transferiert. foodwatch schafft sich ein ansehnliches Echo in der Öffentlichkeit. NGO heißt bei Vion aber nicht „no go“. Im Gegenteil. Vion sucht das Gespräch, damit beide Seiten voneinander lernen. Und sich besser verstehen.