Transparenz und Dialog

Vor vier Jahren waren es 6.000, 2014 schon mehr als 10.000 und in diesem Jahr protestierten 25.000 Menschen vor den Türen der Grünen Woche in Berlin gegen „die Industrialisierung der Landwirtschaft“. 25.000 Demonstranten sind ernst zu nehmen. Die ständig steigende Zahl von Menschen, die für eine Umkehr in der Agrarwirtschaft votieren, ist ein Zeichen für die Branche, den Dialog zu suchen und über Veränderungen nachzudenken. Andererseits erlebe ich bei vielen Vorträgen auf den Winterversammlungen den Unmut vieler Landwirte über die Missachtung ihrer Arbeit in den Medien, die wachsende Bürokratieflut und die fehlende Offensive des Berufsstandes, seine verantwortungsvolle Arbeit ins rechte öffentliche Licht zu rücken.

Aber so verständlich der Unmut für mich klingt: Wir, Landwirte und Fleischvermarkter, sind die Produzenten und nun gefordert, die Vorbehalte der Verbraucher auszuräumen. Unsere Kunden verlangen nach Antworten zu Tierschutz, Antibiotika und Aufzuchtbedingungen. Zur Rechtfertigung reichen keine bunten Bilder mehr aus wie zu CMA-Zeiten. Auch wenn unsere Landwirte im Rahmen der Gesetze verantwortungsvoll arbeiten, sitzen sie in der öffentlichen Darstellung immer öfter auf der Anklagebank. Mit reiner Rechtfertigungsargumentation kommt man aber nicht voran. Deutlich erkennbare, freiwillig praktizierte Veränderungen besonders beim sehr emotionalen Thema Tierschutz schaffen dagegen Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Wenn wir diesen Weg nicht gehen, wird die Politik im Alleingang neue und schärfere Gesetze beschließen.

Es gibt keinen Zweifel: Ohne Transparenz und Dialog mit unseren Kunden gerät die Agrarwirtschaft weiter in die Defensive. Das ist nicht nötig. Wie mit einer offensiven Strategie das Vertrauen der Verbraucher gewonnen werden kann, beweist gerade die Initiative Tierwohl von Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie und Handel. In der Fleischerzeugung und -vermarktung ist ein erster Schritt gemacht. Aber es darf an dem Willen zur weiteren Verbesserung der Tierhaltung verbunden mit höchster Transparenz nicht mangeln. Wir brauchen die gesellschaftliche Akzeptanz und das Vertrauen der Verbraucher in die Produktionsweise unserer Produkte.