Tierschutz steht im Fokus der Öffentlichkeit

Verbraucherinnen und Verbraucher legen messbar immer größeren Wert auf Fleischprodukte, die unter Berücksichtigung von vielen Verbesserungen in der Aufzucht von Nutztieren stammen. Auf Einladung der Universität Hohenheim und des MLR Stuttgart (Ministerium für ländlichen Verbraucherschutz) fand Mitte Juni 2016 dazu ein gemeinsamer Landwirtschaftlicher Hochschultag statt. Dr. Heinz Schweer, Direktor Landwirtschaft Vion Deutschland und Tierschutzbeauftragter des Unternehmens, referierte vor dem Fachpublikum. Sein Thema: „Die Brancheninitiative Tierwohl der Privatwirtschaft“.

Tierschutz steht im Fokus der Öffentlichkeit
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Die Brancheninitiative Tierwohl im Blickpunkt.

Die Initiative Tierwohl (ITW) passt zum Zeitgeist und Verantwortungsbewusstsein der Branche gegenüber dem Verbraucher.

Die gute Nachricht zuerst: Tierschutzprogramme bringen nicht nur ein besseres Image für Fleischunternehmen, Handel und Landwirtschaft, sie werden sich auch langfristig auszahlen, weil wir den wachsenden Verbraucheransprüchen gerecht werden. Vion hat mit einem strategischen Maßnahmenpaket rund um dieses Thema seine Marktposition messbar verbessert. Das Engagement von Vion umfasst im Kern folgende Projekte:

  • Unterstützung der Initiative Tierwohl und Fortsetzung des Forschungsprojekts Tierschutzlabel mit dem Deutschen Tierschutzbund
  • Good Farming Star/Beter Leven
    (22.000 Schweine pro Woche)
  • De Groene Weg — größte Bio-Schweinfeleisch-Vermarktung in Europa
    (1.500 Schweine pro Woche)

Das Verbraucherbewusstsein beim Tierschutz in der Fleischproduktion ist zwar über die Jahre stetig gestiegen, jedoch hat aktuell die Dynamik aus Verbrauchersicht etwas nachgelassen. 59 Prozent der Haushalte geben an, dass sie Fleisch aus Programmen mit mehr Tierwohl bevorzugen würden*. Auch ein höherer Preis sei bei der Akzeptanz kein Hindernis, geben sie in Befragungen an. Fleischprodukte mit Tierschutzkennzeichnung werden aber kaum angeboten. Aktuelle Trends im Einkaufsverhalten der Verbraucher sind Produkte, die eine regionale Herkunft aufweisen.

Vion ist Wegbereiter für mehr Tierschutz

Tiergerechte Haltung steht bei Vion seit Jahren im Fokus. Daher auch die Beteiligungen an drei wichtigen Tierwohl Programmen. Der Deutsche Tierschutzbund hat gemeinsam mit Wissenschaftlern, LEH Vertretern und Vion die Kriterien für das Labelprogramm „Für mehr Tierschutz“ aufgestellt. Nach diesen Kriterien wachsen die Tiere in Vion Partnerbetrieben auf.

Die Initiative Tierwohl stellt ebenfalls das Tier in den Mittelpunkt. Die hier festgelegten Kriterien sind aber von den Landwirten frei wählbar und zur Zeit nicht gekennzeichnet. Vorgesehen ist bisher lediglich eine Kommunikationsoffensive.

Was sind glückliche Schweine?

Gradmesser für die Beurteilung aller Tierschutzprogramme sind wissenschaftliche Erkenntnisse, die u.a. Dr. Lars Schrader (Friedrich-Loeffler-Institut) zusammengefaßt und veröffentlicht hat. Im Kern seiner Beurteilungen stehen die biologischen Ansprüche der Tiere wie:

  • Aufrechterhaltung der biologische Funktionen: Gesundheit, Wachstum, Leistung
  • Vermeidung negativer Empfindungen: Schmerz, Leiden, Angst
  • keine Einschränkung wesentlicher Verhaltensweisen
  • Ein Schwein benötigt getrennte Bereiche zum Fressen, Koten und Schlafen.
  • Bei gesetzlich vorgeschriebenen 0.75 qm Platz können diese Verhaltensweisen nicht gelebt werden.
  • 76 % seiner Bewegungszeit ist ein Schwein auf Nahrungssuche.
  • Diesen Verhaltensweisen kann durch deutlich mehr Beschäftigungsmöglichkeiten entsprochen werden.
  • Diese Ansätze greifen ineinander

Diese wissenschaftlichen Grundkenntnisse sind in das Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes eingeflossen. In der Folge setzen die zertifizierten Landwirte dieses Maßnahmenpaket konsequent um:

  • sichtbare Trennung der Funktionsbereiche
  • mehr Platz
  • Beschäftigungsmöglichkeiten mit Stroh
  • Verbot der betäubungslosen Kastration, Ebermast
    Verbot des Kupieren der Schwänze
  • Begrenzung der Transportdauer

Die Kunden Netto, Kaiser´s Tengelmann, EDEKA Minden-Hannover, Famila und Bell testen Fleisch und Wurstwaren dieses Programms im Handel.

Nur die kritische Betrachtung bringt uns weiter

Es ist eine Tatsache, dass sich viele Landwirte mit dem Thema Tierwohl beschäftigen und ihre Erfahrungen machen. Deshalb unterstützt Vion auch die Brancheninitiative von Anfang an.
Besser wäre aber: Nicht die freie Wahl der Kriterien wie in der ITW, sondern deren stufenweiser modularer Aufbau. Das folgerichtige Ineinandergreifen führt dann dazu, dass ein ganzheitlicher Ansatz das gesamte Haltungssystem auf Dauer verbessert. Diese Zielsetzung gibt das Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes vor.

Unsere Nachbarn in den Niederlanden sind dem deutschen Markt in Sachen Tierschutzprogramme voraus: „Beter Leven“ läuft jetzt schon im sechsten Jahr und wird seitdem konsequent umgesetzt; mehr als 90 Prozent des im LEH verkauften Schweinefleischs und der Wurstprodukte sind mit dem Beter Leven Siegel des niederländischen Tierschutzbundes ausgezeichnet.

Seit Anfang des Jahres 2016 hat der gesamte LEH auf Beter Leven umgestellt. Für die niederländische Supermarktkette Albert Heijn werden ab 2016 die Teile vom Schwein, die nicht in den Frischfleischverkauf gehen, an die Industrie zur Verarbeitung weitergereicht. Diese erstellt dann daraus Beter Leven Wurstprodukte. Eine Ganzschweinevermarktung an den LEH und die Wurstindustrie ermöglicht eine ausgeglichenere Kalkulation zu vertretbaren Verbraucherpreisen.

Der Schlüssel zum Erfolg: Zusammenarbeit.

solierte Initiativen oder Projekte bringen uns nicht weiter. Wir brauchen ganzheitliche nationale Lösungsansätze wie Beter Leven. Die Initiative Tierwohl sollte langfristig ohne Wahlkriterien, sondern in Modulkonstruktion bei Integration des Tierschutzlabels zu einem flächendeckenden Programm für den deutschen LEH weiterentwickelt werden.

Auch für die gesamte Veredlungswirtschaft müssen neue Lösungsansätze geschaffen werden: Den Rahmen bildet eine nationale Nutztierstrategie bei gleichzeitiger staatlicher Finanzierung (Extrasteuer, Umschichtung der 2. Säule, Erhöhung der Mehrwertsteuer bei Fleisch etc.)

Die Agenda – der konkrete Blick in die Zukunft

Wichtig ist, die aufgenommene Fahrt beim Thema Tierwohl nicht zu verlangsamen. Seit Anfang dieses Jahres wird die Zulassung von Betrieben der Warteliste (im Rahmen des Budgets bis 30. Juni 2018) weiter vorangetrieben. Von 2018 – 2020 sollen dann alle Betriebe aus der Anmeldung (4.800) mit dabei sein. Das würde eine 60 prozentige Marktabdeckung im LEH bedeuten. Gleichzeitig müssen die Teilnahmebedingungen (Kriterien/Grundanforderungen/Tierwohlentgelt) neu festgelegt werden, um den Anreiz zur Teilnahme hoch zu halten. Vion setzt sich für eine schrittweise Erhöhung des sogenannten Programmentgelts im LEH (5/5,5/6 Cent) ein. Ab 2021 muss das Programmentgelt im LEH 7-8 Cent betragen.

Vion unterstützt das Ziel der ITW ab 2021 eine vollständige (100 Prozent) Abdeckung des Vermarktungsanteils des LEH zu erreichen. Das bedeutet die Teilnahme von etwa 8.000 Schweine haltenden Betrieben (17 Mio. Mastschweine).

Dr. Heinz Schweer
Direktor Landwirtschaft, Vion Deutschland

*GfK/Vion Consumer Monitor 2015