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Schweineforschung und Tierwohl in Boxberg

Das „Bildungs- und Wissenszentrum Boxberg für Schweinehaltung und Schweinezucht des Landes Baden-Württemberg“ befasst sich im Kern mit den Themen Schweineforschung und Tierwohl. 2007 wurde die Anlage in Boxberg in Betrieb genommen – seitdem gibt es dort Musterställe mit einer besonderen Architektur und mit viel Tierkomfort. Zukunftsorientiert, modern und ökologisch, Holzbauweise inklusive. Schließlich wird hier der Nachwuchs der Landwirtschaft überbetrieblich ausgebildet.

Schweineforschung und Tierwohl in Boxberg

Was die Schweinezucht angeht, können die jungen Leute in Deutschland wohl keinen innovativeren Standort für ihre Ausbildung finden. Schweineforscher Hansjörg Schrade Schrade forciert den Tierschutzgedanken in der Schweinemast. Genau deshalb trifft er sich auch mit Dr. Heinz Schweer, Direktor Landwirtschaft beim Fleischkonzern VION und dort Motor des Tierschutzprogramms in der Schweinezucht. Was er denn vom Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes nach den ersten Monaten im Markt halte, will Schweer von dem Schweineforscher wissen. Schrade hat einige Pilotbetriebe in Norddeutschland selbst besucht und ist überrascht, dass der Einstieg mit dem Deutschen Tierschutzbund gelungen ist und die beteiligten Landwirte mit Überzeugung neue Wege gehen.

„Ich bin überzeugt, dass nach Kriterien des Tierschutzes produziertes Fleisch in Deutschland zu einem festen Marktsegment werden kann, wenn die Landwirte anständig bezahlt werden.“ Die Motivation zum verstärkten Engagement sei vorhanden, sagt Schrade. Wenn die ganze Branche bei einem von den (niedrigen) Kosten geprägten europäischen Markt umsteige, wäre das ein Paradigmenwechsel für die Ernährungsproduktion. Es müssten viele Faktoren miteinander verknüpft werden. „Das ist möglich“, sagt Schrade und zählt auf, was zu beachten sei: „Wir müssen alle Menschen satt machen, die Qualität des Essens muss gewahrt bleiben, es müssen weiterhin günstige Nahrungsmittel sein, die Lebensmittelsicherheit muss gewährleistet sein, Umwelt und Klimaschutz müssen berücksichtigt und der erweiterte Tierschutz muss integriert werden.“ Jetzt gehe es darum, ein Projekt ans Laufen zu bekommen, das über Generationen nachhaltig wirkt.

„Wir müssen Schmerzen, Leiden und Schäden fernhalten von den Tieren“, appelliert Schrade an die Verantwortlichen in Landwirtschaft, Lebensmitteleinzelhandel und Fleischwirtschaft. „Wir müssen uns an den Bedürfnissen der Schweine orientieren“, sagt Schweer, „und die tiergerechte Strukturierung der Ställe vorantreiben. „Ein Schwein hat es gern weich und bequem“, ergänzt Schrade und betont: „Das heißt nicht unbedingt feste Liegeflächen, aber mehr Komfort auf der Liegefläche.“ Deshalb laufen gerade Versuche mit Gummimatten, die nicht hart sind, sondern sich der Form des Körpers anpassen. „Wenn das Schwein entspannt ist, liegt es gern bequem und geschützt.“ Das soziale Verhalten im Stall müsse stimmen und die Rangordnung durch Strukturierung und Belegung gesichert werden.

Die Haltung von Ebern sei vorrangig eine Frage des Managements, hat Schrade in seiner vierjährigen Forschungsarbeit erkundet. Bei einer Belegung mit bis zu 15 Ebern in einer Bucht sei es friedlich im Stall, in Großgruppen könne die Hölle losgehen. Und was hat er noch alles entdeckt bei der Jungebermast? Dass es keine Verbindung zwischen dem natürlichen Aggressionspotenzial von Ebern und der Geruchsbelastung beim Fleisch gibt. „Der starke Geruch ist ganz eindeutig genetische Erbmasse.“ Die Belastung trete nur bei weniger als 1 Prozent des Eberfleisches auf. „Wir selektieren in großen Versuchen dieses Vererbungspotenzial ‚Geruch‘ heraus.“

Für Schrade hat die Ebermast Zukunft. Dennoch weiß er, dass für kleine Betriebe, die nicht getrenntgeschlechtlich mästen können, die Ebermast nicht in Frage kommt. Der Wissenschaftler unterstützt die Bemühungen zur Schmerzausschaltung bei der Kastration von männlichen Ferkeln. „Wir müssen ein Mittel entwickeln, das das Bewusstsein ausschaltet, aber auch den Wundschmerz.“ Schrade und Schweer sind sich einig, dass es in der Landwirtschaft eine hohe Motivation und die Bereitschaft zur Veränderung in Richtung Tierschutz gibt. „Aber die Landwirte müssen diese Anstrengungen honoriert bekommen, Tierschutz kostet Geld“, sagt der Schweineforscher