Schatten über dem Jahreswechsel

Zum Ende dieses Jahres kennzeichnet große Unsicherheit die Stimmungslage innerhalb der deutschen Schweineerzeugung. Besonders der gravierende Preisverfall beunruhigt die Mäster und noch mehr die Ferkelerzeuger. Das Preistief bereitet auch den Schlachtunternehmen keine Freude. Die Preisspannen zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis könnten gerne höher sein. Es fehlt an Nachfrage im Inland und im Export können seit dem Russlandembargo insbesondere Fettartikel nur noch mit großen Einbußen abgesetzt werden. Da auch amerikanische Exporteure von dem Embargo betroffen sind, liefern sich Europäer und Nordamerikaner insbesondere auf den asiatischen Märkten einen harten Kampf um neue Absatzkanäle. Besserung ist aber nicht in Sicht.

Vor diesem Hintergrund können viele deutsche Schweineerzeuger nicht verstehen, dass ihre Bereitschaft zu mehr Tierwohl nicht honoriert wird. Die Finanzierung von mehr als 2.000 registrierten Betrieben durch den Lebensmitteleinzelhandel ist noch lange nicht gesichert. Zusätzlich ist die Landwirtschaft jetzt mit der Forderung konfrontiert, innerhalb eines Jahres auf Ebermast umzustellen. Führende Lebensmittelunternehmen wollen ab Januar 2017 nur noch Schweinefleisch von nicht kastrierten Schweinen beziehen. Das ist zwei Jahre früher, als der Gesetzgeber die betäubungslose Kastration untersagt.

Dieses Vorpreschen der großen Marktführer im Handel schafft besonders für die vielen kleineren Betriebe, die z. B. aus strukturellen Gründen nicht tierschutzgerecht Eber mästen können, zusätzliche Probleme. Keiner kennt im Moment eine Lösung für die Bauern – weder Wissenschaft noch Praktiker. Man braucht ganz einfach mehr Zeit, um auch tierschutz-gerechte Modelle neben der Ebermast zu erforschen, die vor allem in kleinen und mittleren Betrieben umsetzbar sind.

Über Tierschutz zu reden, ist gut. Ihn umzusetzen ist noch besser. Doch er muss praktikabel sein. Das Vorpreschen einzelner Handelsunternehmen hilft nicht weiter. Die Schweineerzeuger können dieses Tempo nicht mitgehen. Nach der Einkommensdelle baut sich in den nächsten zwölf Monaten ein weiteres, kaum zu lösendes Problem auf.