Glückliche Schweine

Die Verbraucher wollen glückliche Schweine, lautete eine These auf dem Deutschen Fleischkongress Mitte November in Frankfurt. Was heißt das für uns in der Fleischwirtschaft, was bedeutet das für die Erzeugerseite? Längst weiß die Landwirtschaft, dass nicht nur vonseiten der Konsumenten ein psychologischer Druck in Richtung Tierwohl aufgebaut wird, sondern auch von NGOs und der Politik. Die neue Regierung in Berlin plant in Sachen Tierschutz weitere gesetzliche Vorgaben.

Erzeuger und Fleischproduzenten haben sich längst auf den Weg zur Veränderung in der Veredelung gemacht. Ohne verbindliches Tierschutzversprechen wird die Vermarktung an der Fleischtheke immer schwieriger. Deshalb sind wir bei VION Food froh über die Brancheninitiative Tierwohl. Wenn der Handel die vereinbarten Prämien für die Mehraufwendungen zahlt, kann die Landwirtschaft erste Schritte unternehmen.

Völlig unbenommen davon ist das Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes, nach dem Landwirte in einem wissenschaftlich begleiteten Projekt Schweinefleisch erzeugen. VION wählt mit den Landwirten einen ganzheitlichen Ansatz, in dem die Tierschutzkriterien und ihre Umsetzung ineinandergreifen und nicht wie in einem Warenhauskatalog willkürlich ausgewählt werden können. Unser Ziel ist, nicht nur auf körperliche Eingriffe wie das Kupieren von Schwänzen und die Kastration zu verzichten. Entscheidend für die Verbraucherakzeptanz ist das Eingehen auf die natürlichen Verhaltensweisen der Tiere. Wenn jedes Schwein in der Mast mehr Platz bekommt, kann es die Bucht in eine Ruhe-, Kot- und Fresszone strukturieren. Das ist der Maßstab jeder glaubwürdigen Tierschutzinitiative, die wissenschaftlich untermauert ist und bei Verbrauchern und Tierschützern Anerkennung findet.

Es gibt keine Konkurrenz zwischen dem Tierschutzlabel und der Initiative Tierwohl, wenn die genannten fachlichen Ziele von mehr Tierschutz oder Tierwohl übereinstimmen. Die Wege dahin können für den einen Landwirt länger dauern und von dem anderen schneller umgesetzt werden. Nur eine falsch geführte Debatte nach dem Motto „Tierschutz ist nicht teilbar“ ist wenig zielführend. Die Eierwirtschaft hat vorgemacht, wie es geht: Der Verbraucher wählt seine bevorzugte Haltungsform aus, ob er Eier aus Käfig- oder Boden-Freilandhaltung oder Bio-Eier will. Das sollte beim Fleisch auch möglich sein.