Expertengespräch zum Thema Ebermast

Ebermast ist ein viel diskutiertes Thema - in Expertenkreisen nicht erst seit gestern. Die Vion Food berät seine Partner bereits seit Jahren, gibt Hilfe bei der Umstellung von landwirtschaftlichen Betrieben und diskutiert mit den Erzeugergemeinschaften. Der Schweineproduzent Cay Petersen aus Schleswig-Holstein (Foto rechts) ist bereits seit 2012 dabei und hat seinen Betrieb erfolgreich auf Ebermast umgestellt. Wenn er sich mit anderen Experten wie Keno Jantzen, Ebermäster aus Rickling (Foto Mitte), einer Gemeinde im Süden Schleswig-Holsteins, und Dr. Karl-Heinz Tölle (Foto links), Geschäftsführer und wissenschaftlicher Kopf der ISN-Projekt GmbH in Damme an einen Tisch setzt, dann wird heiß diskutiert. Übrigens: Jantzen und Petersen sind Mitglied der NFZ Erzeugergemeinschaft und liefern ihre Mastschweine über die Vion Zucht- und Nutzvieh.

Expertengespräch zum Thema Ebermast

„Cay, schmeiß das Messer weg“, hatte Petersen 2012 ein Berater der Vion Zucht- und Nutzvieh zugerufen. Er ließ sich über die Chancen und Tücken der Ebermast aufklären. Heute ist er froh, umgestellt zu haben. 3.000 Jungeber mästet Petersen im Jahr. Und es hört sich nicht so an, als habe er das auch nur eine Minute bereut: „Um eine Woche kürzere Mastzeit, die Tiere fressen weniger, sie haben eine bessere Futterverwertung, liefern bessere Schlachtleistungen und weniger Gülle, bringen aber mehr Geld als Börge.“

Also nur Vorteile? „Wenn man es kann, dann hat man weniger Probleme“, ergänzt Jantzen. Seit er 2011 als einer der Pionierlandwirte beim Tierschutzlabel eingestiegen ist, kennt er sich mit Ebermast aus. „Sie brauchen mehr Platz, dann ist es auch ruhig im Stall“, sagt er. Die Eber haben 0,9 Quadratmeter Raum anstatt der vorgeschriebenen 0,75 Quadratmeter pro Schwein. Jetzt zahlt sich dieses Bekenntnis zum Tierschutz für Jantzen zudem aus. Er ist von der Initiative Tierwohl anerkannt und bekommt nun 8,50 Euro mehr für das Tier. 4.000 Schweine liefert er im Jahr an Vion Zeven, die Hälfte davon sind Jungeber. „Glück gehabt“, betont er norddeutsch knapp und schmunzelt.

„Eber müssen immer fressen. Wenn sie satt sind, sind sie müde und friedlich.“

Das Thema beschäftigt die Landwirtschaft. Und die Fleischindustrie. Denn schon zu Beginn des nächsten Jahres stellen großen Discounter und Supermarktketten im Einkauf um – zwei Jahre vor der gesetzlichen Vorschrift: Sie kaufen kein Fleisch mehr von Tieren, die kastriert worden sind. Doch Lösungen im medizinischen Bereich sind umstritten. Impfungen mit Improvac, um die Geschlechtsreife bei Ebern auszuschalten, wirken erst nach der zweiten Injektion sechs bis vier Wochen vor der Schlachtreife. Bis dahin verhalten sich die geimpften Eber im Stall wie normale Eber. Die zweite Impfung mit Improvac ist sicherlich kein Vergnügen, wie Petersen weiß: „Ich jedenfalls gehe dann nicht in einen Eberstall mit 80 Kilo schweren Tieren, das tue ich mir nicht an.“ Mindestens fünf Euro pro Tier kostet die Behandlung, rechnet Karl-Heinz Tölle vor. Geld, das der Handel beim Einkauf sicherlich nicht auf den Fleischpreis drauflegt.

Bleibt also die Ebermast, an die sich viele Landwirte (noch) nicht rantrauen. Wissenschaftler Tölle nimmt vielen – auch kleineren Schweinemästern – die Sorge: „Es ist richtig, dass es eine getrenntgeschlechtliche Mast geben muss. Aber es reicht, wenn die Buchten getrennt sind, man braucht keine getrennten Ställe.“ Auch in der Fütterung gibt es so gut wie keine Unterschiede. „Sauen und Eber fressen das Gleiche wie Sauen und Börge“, sagt er. Wichtig ist allerdings, dass bei Ebern die Automaten immer gefüllt sind und Futter spenden. „Eber müssen immer fressen. Wenn sie satt sind, sind sie müde und friedlich“, hat Petersen beobachtet. Zudem bekommen sie auf dem Hof in Oersberg bei Kappeln richtig gutes Futter, das Petersen selbst anbaut und mischt. „Ich kaufe nichts dazu.“

Keno Jantzen hat wie sein Berufskollege kein Problem mit den Forderungen des Handels: „Auf betäubungslose Kastration kann ich gut verzichten. Ich habe das Gefühl, mehr für den Tierschutz zu tun.“ Die politische Forderung, Schwänze nicht mehr zu kupieren, sieht er allerdings noch nicht vor der Umsetzung. Jantzen arbeitet auch mit Ferkeln, die mit langen Schwänzen geliefert werden, doch dabei gibt es noch Probleme. Petersen wird deutlich: „Ich lasse mich von der Politik nicht zur Tierquälerei verpflichten.“ Er glaubt, dass Schweinemast ohne Kupieren der Schwänze noch nicht funktioniert.

Was können die beiden an Erfahrung anderen Berufskollegen mitgeben, die über Ebermast nachdenken? „Wichtig ist das Auge“, sagt Petersen. Und Jantzen bestätigt: „Tierkontrolle zweimal am Tag ist absolute Pflicht. Wenn irgendwas ist, muss man kranke Tiere sofort aus der Bucht herausholen.“ Und wie hoch sind die Verluste? In der Endmast liegen die bei 1,5 bis 2 Prozent. Nicht außergewöhnlich. Und wie hoch sind die Geruchsabweichungen? Seit vier Jahren bei beiden Betrieben konstant unter 2 Prozent, zeigen die Rückmeldungen des Schlachtunternehmens. Aber das sind ja keine Verluste, das Fleisch kann nur nicht als Frischfleisch verwendet werden.

„Wichtig ist, dass kein Eberfleisch mit Geruchsabweichungen in den Handel kommt“, sagt Tölle. So ist es.