Eine neue Zeit

Vergessen sind die Wochen, Monate und Jahre, in denen ergebnislos beraten und gestritten wurde, um mehr Tierschutz in der Fleischproduktion zu verankern. Es lohnt einfach nicht, zurückzublicken. Im Gegenteil. Die Freude ist jetzt groß, dass mit Beginn des neuen Jahres Handel, Landwirtschaft und Fleischindustrie gemeinsam unter dem Dach der Initiative Tierwohl die Tür aufstoßen für eine neue Zeit in der Nutztierhaltung in Deutschland.

Viele kleinere Feldversuche zur Produktion unter besonderen Tierschutzkriterien haben in der Vergangenheit gezeigt, dass die Partner der Lieferkette ein großes Interesse an mehr Tierwohl haben. Tierschutz ist nicht verhandelbar, er muss sein. Darin sind sich alle einig. Und nicht nur, weil sinkender Fleischverbrauch und das kritische Hinterfragen von Verbraucherseite Druck erzeugen. Die Initiative zur Umkehr und zu schonenderen Produktionssystemen kam von innen und nicht von außen. Das ist das Gute an dem nun geebneten Weg.

Landwirte, Lebensmittelhändler und wir aus der Fleischwirtschaft ziehen an einem Strang. Was jetzt beginnt, kann aber nur ein Anfang sein. Die Idee zum allumfassenden Marktstart mit mehr als 100 Millionen Euro Startkapital hat sich nicht realisieren lassen. Dass der bisher auf Supersonderangebote in der Fleischvermarktung fixierte Handel aber 65 Millionen in den Topf der Clearingstelle einzahlt, um mehr Tierschutz bei der Mast von Schweinen und Geflügel zu finanzieren, kann als positives Signal des Umdenkens gewertet werden.

Es ist der Einstieg und das Zeichen in Richtung Politik, dass wir es selbst können. Wir brauchen keine gesetzlichen Vorgaben und Regelungen. Aber nur wenn die Partner der Initiative Tierwohl sich dessen bewusst sind, können sie selbst bestimmen. Das jetzt gestartete Programm für Schwein und Geflügel muss in den nächsten Jahren weiter verbessert und flächendeckend auf die Nutztierhaltung ausdehnt werden. Das kostet Geld – den Verbraucher und den Handel. Denn mehr Tierwohl bedeutet zwangsläufig auch höhere Erzeugerpreise.