← Zurück

Die Bauern schwärmen von Vions Einsatz für Tierschutz

Hochbetrieb auf den Bauernhöfen von Vions Tierschutzlabel-Erzeugern. Am 9. April machte Niedersachsens Landwirtschafts- und Verbraucherschutzminister Christian Meyer (Grüne) seine Frühjahrspressereise mit mehr als 20 Journalisten im Gefolge zu Landwirt Christoph Becker in Wietzendorf im Heidekreis und zu Karl Harleß in Linden, Kreis Uelzen. Der Politiker wollte sich und die Medien über die Fortschritte in der konventionellen Schweinehaltung unter Tierschutzaspekten informieren. Sechs Tage später gab´s noch einmal hohen Besuch bei Harleß: Diesmal rückte Gert Lindemann, Meyers Vorgänger und Initiator des Tierschutzplans Niedersachsen, mit dem Kompetenzkreis Tierwohl des Bundeslandwirtschaftsministeriums an. Politiker und Fachleute wissen eben, wo sie Fortschritte in der Nutztierhaltung sehen können: in Deutschland wie in Holland auf den Partnerbetrieben von Vion.

Wir decken alles ab, was wichtig ist

Das Einkaufsverhalten der Menschen an der Fleischtheke wird kritischer. Immer mehr Verbraucher wählen ihre Produkte bewusster aus. Sie kaufen nicht mehr nach dem Motto „Immer mehr und immer billiger“ ein, sondern nach Qualität, Regionalität und Nachhaltigkeit. Beim Fleischeinkauf spielt der Tierschutzgedanke eine zunehmend wichtige Rolle.

Dr. Heinz Schweer, der als Direktor Landwirtschaft bei Vion drei Jahre nach dem Start des Beter-Leven-Programms in Holland mit Engagement, Fachwissen und politischen Kontakten das Thema Tierschutz in Deutschlands Fleischkonzernen auf die Tagesordnung setzte, gilt als Wegbereiter des Trends Tierwohl in der Fleischvermarktung. „Wir bei Vion sind Motor einer neuen Entwicklung in Deutschland. Vor fast fünf Jahren haben wir begonnen, zusammen mit Wissenschaftlern der Universität Göttingen und dem Deutschen Tierschutzbund sowie Vertretern des Lebensmitteleinzelhandels Kriterien zu entwickeln, nach denen mehr Tierwohl in die Ställe einzieht“, so Schweer. Die Bundesregierung unterstützte das Bestreben nach mehr Tierschutz in der Nutztierhaltung durch die Finanzierung der begleitenden Forschung. „Wir selbst als Vion haben viel Geld in den Aufbau des Programms investiert“, sagt Schweer.

Mit dem Tierschutzlabel der Einstiegsstufe des Deutschen Tierschutzbundes genießt Vion als Produzent im Bereich Schweinefleisch noch eine Alleinstellung. Seit Vions Start in die Vermarktung im Sommer 2012 wird die Tierschutzdiskussion in der Landwirtschaft, im Handel und bei den Fleischunternehmen sehr intensiv geführt. Schweer hat zusammen mit vielen anderen Fachleuten daran gearbeitet, dass die Initiative Tierwohl auf breiter Basis im Bereich Schwein und Geflügel in diesem Jahr starten kann. Es ist ein erster Schritt in der Breite für die konventionelle Landwirtschaft, der mit mehr als 60 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren vom Handel gefördert wird. Schweer: „Vion ist beim Tierschutz Taktgeber. Nur unsere Landwirte und unsere Schlachtbetriebe in Zeven und Perleberg sind bisher vom Deutschen Tierschutzbund für die Einstiegsstufe zertifiziert worden.“

Deshalb kommen die verantwortlichen Politiker auch gern zu Vion und in die Erzeugerbetriebe, wie jetzt Minister Meyer und Gert Lindemann mit seiner Kommission, die beide von Schweer und seinem Vion-Kollegen Dr. Stephan Kruse empfangen und ausführlich informiert wurden. Meyer, der mit seiner Ringelschwanzprämie die Schweinebranche in Niedersachsen in Aufregung versetzte, war beim Besuch des Label-Bauern Christoph Becker sehr angetan von den Schwänzen der Tiere. „Die ringeln sich ja schon richtig“, zeigte er sich begeistert. Wie überhaupt den grünen Minister überzeugt, was er sieht, und der die Fortführung der Forschung auf den Label-Höfen finanziell fördern will.

Manchmal ist es halt gut, wenn Politiker vor Ort sind und nicht nur theoretisch denken, handeln und diskutieren. Denn solche tiergerechten Fortschritte in der Schweinemast wie bei Becker hat Meyer wohl nicht erwartet: Ein wenig skeptisch legt das Frontschwein den Kopf in den Nacken und zieht Luft durch den Rüssel ein. Ein Eindringling im Stall – es ist aber nur der Bauer. Als Christoph Becker es tätschelt, reibt das Tier den lang gestreckten rosa Körper an seinen Beinen – nun drängeln sich auch die Mitbewohner in der geräumigen Stallbox rund um den Landwirt. „Die Tiere sind aktiv, neugierig und überhaupt nicht scheu“, berichtet der Schweinemäster während seines Rundgangs durch einen seiner drei Außenklimaställe. Der Landwirt spürt, dass es seinen Schweinen nach der Umstellung auf das Tierschutzprogramm wesentlich besser geht: „Sie haben mehr Platz und Beschäftigungsmöglichkeiten – und die nehmen sie auch gerne an.“

Christoph Becker ist einer der Erzeuger, die sich als Erste entschieden haben, Schweine nach den Tierschutzkriterien zu mästen. „Es war schon immer unsere Philosophie auf dem Hof, für ein möglichst großes Wohlbefinden der Tiere zu sorgen.“ Allerdings müsse es sich auch finanziell lohnen. „Da ist das Tierschutz-label einfach ein tolles Programm. Das Tierwohl ist gewährleistet und unsere Einnahmen sind sicher.“

Was hat sich geändert, was ist in der Schweinemast verbessert worden? Die Buchten der Ställe bestehen aus einem Fress-, einem Ruhe- und einem Aktivitätsbereich. Die Tiere haben 50  Prozent mehr Platz und nutzen Beschäftigungsmaterial wie Strohpellets, Heukörbe oder Holzstücke. Christoph Becker sagt: „Die Pionierarbeit ist wahnsinnig groß. Aber wenn es funk-tioniert, gibt es nichts Schöneres, als durch die Ställe zu gehen.“

Tierschutz gibt es aber nicht umsonst – das wissen Verbraucher und Handel. Deshalb kostet Schweinefleisch aus dem Tierschutzprogramm auch mehr als herkömmliche Schweinefleischprodukte. Marktforschungen wie der Vion Consumer Monitor haben ergeben, dass immer mehr Verbraucher Fleisch aus tiergerechter Haltung wünschen.

Auch in Holland: Liegt das Kotelett noch in der Kühltheke oder schon zubereitet auf dem Mittagstisch – „selbst Erwachsene“, fürchtet Jan van Schijndel (64), „machen sich kaum Gedanken darüber, dass die Produktqualität von Fleisch mit der Lebensqualität eines Tieres direkt zusammenhängt“. Schlimmer noch, so seine Erfahrung, „manche Kinder wissen nicht einmal, woher das Schnitzel auf ihrem Teller eigentlich kommt“. Der Landwirt aus Aalten in der Provinz Gelderland muss es wissen. Unter das Dach seines neuesten Stalls hat er eine „Sky-Box“, groß genug für ganze Schulklassen, einbauen lassen – hermetisch abgeriegelt, aber mit Panoramafenster für den taghellen Blick ins Quartier von 1.000 Schweinen. Seither leistet er Aufklärungsarbeit in Sachen zeitgemäßer Schweinemast und nach den Vorgaben von „Beter Leven“, dem Tierwohlprogramm des niederländischen Tierschutzbundes Dierenbescherming. „Unsere Tiere haben Spielzeug, Platz, um mit dem Rüssel im Stroh und Sägemehl zu stöbern, und – in ausreichender Distanz zu Futterstelle und Tränke – das ‚Schweine-Klo’, unter dem der Dung per Förderband abgeführt wird“, zählt Jan van Schijndel auf, was „nicht nur die Kinder zum Staunen bringt, auch die Lehrer sind immer verblüfft“.

11.000 Schweine liefert der „Good Farming Star“-Bauer jährlich an Vion. Tiere, deren Speck, Bacon oder Schweine-lachse zum Beispiel unter dem Siegel „Beter Leven kenmerk ein Stern“ in den niederländischen Handel kommen. Nahezu fünf Jahre nach dem Programmstart sind es schon mehr als 150 Bauern, die sich an Beter Leven kenmerk ein Stern beteiligen und produzieren, wonach der Markt immer stärker fragt. Für Jan van Schijndel ist „Good Farming deshalb ein wichtiger Faktor unserer Zusammenarbeit mit Vion, der hilft, die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe für die Zukunft zu sichern“.

Tatsächlich wurde die Kalkulation von Tierschützern, Fleischindustrie und Handel schon nach kürzester Zeit weit übertroffen. „Im zweiten Bench brauchten wir schon 95 Bauern, um den Bedarf nach Beter-Leven-Produkten zu decken“, erinnert sich Vions Qualitätsmanager Prof. Dr. Bert Urlings. „Heute mästen in ganz Holland Landwirte jedes Jahr 1,1 Millionen Schweine unter Beter-Leven-Bedingungen.“ Dass immer mehr holländische Verbraucher gezielt zu Beter-Leven-Produkten greifen, kommt für Marijke de Jong-Timmermann von der Dierenbescherming nicht überraschend. „Tierschutz ist ein Thema, das in unserem Land traditionell auf breites gesellschaftliches Interesse stößt“, so die Expertin. Doch wichtigster Motor der europaweit beispiellosen Wachstums-story um mehr Tierwohl sei „eindeutig der Handel – die Supermärkte können den Bauern und Fleischerzeugern sagen, was sie haben wollen, und dem Verbraucher die Vorteile erklären sowie die Beter-Leven-Ware prominent platzieren und entsprechend promoten“. Und das tun die LEH-Partner mit großem Erfolg.

Ob Schweinefleisch oder Geflügel, ob Albert Heijn, Jumbo oder Plus – heute bieten 13 der 16 größten holländischen Händler Tierwohlprodukte mit dem Beter-Leven-Kennzeichen an. Marktführer Albert Heijn verkauft bereits seit 2011 SB-Schweinefleisch in der Tierwohlvariante. Im Ergebnis der Marktoffensive des Handels stieg der Branchenumsatz mit den „tierfreundlichen Produkten“ von 311,7 Millionen Euro in 2011 um 47 Prozent auf 458,3 Millionen Euro (2012). Das entspricht einem Anteil von 10,1 Prozent am holländischen Fleischmarkt. Und schon werden neue Ziele gesteckt:

So kündigte der Handelsverband CBL an, bis 2020 werde das gesamte Fleischsortiment in allen Märkten auf Tierwohl umgestellt. 

Ein wesentlicher Treiber dieser Tempovorgabe ist Vion selbst, „schon um uns, unsere Landwirte und unsere gemeinsamen Produkte nicht nur in Holland, sondern mittelfristig auch in Deutschland vor allem von der ausländischen Konkurrenz abzugrenzen“, so Prof. Urlings. Für den niederländischen Markt produziert Vion bereits heute 15 Prozent seines Schweinefleischs in Beter-Leven-Qualität, weil „wir fest davon überzeugt sind, dass besonders der europäische Markt in den kommenden Jahren verstärkt Produkte mit zusätzlichem Wert und Nutzen – für den Handel und die Verbraucher – nachfragen wird“.

Gerade wegen seiner internationalen Ausrichtung arbeitet der holländische Branchenführer – wie das Beispiel Deutschland zeigt – sehr engagiert daran, das Bewusstsein für Tierwohl auch in anderen Absatzmärkten zu schärfen. Ein Einsatz, der für Bauern wie Martin Houben „vor allem eines deutlich macht: dass wir als ‚Beter-Leven-Pioniere’ mit Vion den richtigen Partner an der Seite haben“.